Gedanken zum Röntgen

Im Ursprungsberuf bin ich Krankenschwester und in den vergangenen 25 Jahren war ich 3 Jahre in der Orthopädie und 22 Jahre u.a. im chirurgischen und unfallchirurgischen OP tätig. Die ersten 13 Jahre an einer Uniklinik und danach noch 9 Jahre an einem kleineren Haus im ambulanten OP.

Im Laufe der Jahre habe ich sehr viele Röntgenbilder, CTs und MRTs gesehen und einige intraoperative Röntgenbilder selber angefertigt. Eine Pflichtfortbildung für uns ist der Strahlenschutzkurs, der alle 5 Jahre verlängert werden muss. („Röntgenschein“)

Seitdem ich mich mehr mit Hufen beschäftige, begegnen mir immer öfter Röntgenbilder von Pferdebeinen und Hufen, die technisch einfach schlecht sind und daher nicht für eine seriöse Diagnostik verwendet werden sollten.

Da sieht man verwackelte Bilder (ganz locker aus der Hüfte geschossen – denn ein Stativ nimmt im Auto zu viel Platz weg ), unscharfe Bilder, bei denen der Fokus des Zentralstrahls falsch eingestellt wurde (jeder der schon mal ein Foto mit einer Spiegelreflexkamera im manuellen Modus gemacht hat, weiß was gemeint ist). Ja, auch beim Röntgen gibt es eine Autofokusfunktion, die nicht immer funktioniert.


Röntgenbilder, die nicht streng seitlich aufgenommen sind und keine glatten Gelenkflächen zeigen und noch dazu das Bild aus der 0° Ebene fehlt, lassen einfach keine seriösen Aussagen zu.

Da werden nicht beide Hufe auf gleich hohe Klötze gestellt, sondern nur einer und das andere Bein (im Idealfall) hoch gehalten, was dazu führt, dass Röhrbeine nicht senkrecht stehen und Gelenke schief belastet werden.

Über all das könnte man vielleicht noch lachen, wenn es nicht für den Besitzer so teuer wäre und am Ende von diesen Bildchen noch eine Diagnose für das Pferd abhängt, die nicht selten über Leben und Tod entscheidet.

Da hilft es auch nicht, wenn Tierärzte auf Nachfrage sagen: das machen wir immer so.

Natürlich ist es viel verlangt, wenn so ein Tierarzt nicht nur Facharzt für alle erdenklichen Leiden sein soll und das am besten für alle Tierarten. Natürlich kann er das nicht sein.

Und natürlich ist er auch kein Facharzt für Röntgen und Röntgenbilder gehören für viele auch nicht zum täglichen Geschäft.

Auf Röntgenbildern etwas zu erkennen, erfordert viel Übung und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Da habe ich in meiner Berufslaufbahn einige Mediziner getroffen, die das nicht hatten.

Daher frage ich mich, warum man dann nicht einfach sagt: Du Pferdebesitzer, ich habe zwar ein Röntgengerät und ich weiss auch, wie es angeht, aber ich bin da nicht so der Spezi, fahr doch lieber hier und da hin (oder ruf den Kollegen xy an), der ist da viel besser drin.

Im Humanbereich vollkommen normal, im Tierbereich noch nie erlebt.

im 2. Teil dieses Gedankenspiels werde ich in Kürze auch noch ein paar Röntgenbilder zeigen, die das getippte bebildern.

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meine Ausbildung

Im Jahr 1 nach C (orona) entschied ich mich dafür, etwas Zeit und Geld in Fortbildung zu investieren und da lag es nahe, eine Weiterbildung für Hufe zu machen (da ich die meiner eigenen Pferde schon einige Jahre selber machte).

So durchforstete ich das Weltweitweb auf der Suche nach Ausbildungstätten und war kurz drauf total verwirrt. Nimmt man das eine oder das andere? Macht es Sinn bei fortbestehen dieses Virus einen Präsenzkurs zu nehmen und welche Ausbildungsrichtung ist überhaupt sinnvoll.

Mein damaliger Supporter war eine Huforthopädin, also schaute ich da als erstes.Ok, nicht so schlecht, etwas weit weg, aber mal sehen, was es noch gibt. Zig Angebote von nur Online in 3 Wochenenden bis zu viel mehr Tagen zum bald 5stelligen Preis. Puh…

Dann fiel mir Annelie Michels ein, ich hatte sie schon mehrmals im Stall gesehen und kannte einige Menschen, die ihre Pferde bei ihr bearbeiten ließen. Also dachte ich mir: google doch mal nach Ihr, vielleicht kannst du sie anrufen und sie um Rat fragen, wo man denn am besten eine Ausbildung machen könnte. Ein paar Klicks später war klar: Wie geil ist das denn… die bietet selber eine Ausbildung an. Die ist bezahlbar und auch gar nicht so weit weg. Ups… und die fängt auch schon ziemlich bald an. Also habe ich mal flugs eine Bewerbung geschrieben und hatte ein paar Tage später einen Vertrag in der Post. Jetzt – im Jahr 2 nach C – habe ich meine 50 Mitfahrtage absolviert und werde im Herbst – so denn nichts dazwischen kommt – bei der #GdHK meine Prüfung machen. Ich blicke zurück auf ein Jahr voller Strapazen und einem Ordner voller Zettel und gefühlt unendlichem Wissen.

Jedes 2. Wochenende im Westerwald 2 Tage Theorie anhören. Über alles… Entwicklungsgeschichte, Rassen und ihre spezifischen Probleme, Morphologie, Anatomie, Fütterung, Sättel. Sättel? Verdammt, warum eigentlich Sättel? Schon immer ist mir klar, dass Lahmheiten natürlich nicht immer nur von unten, sondern auch schon mal von oben kommen, aber es macht absolut Sinn, es dem Pferdebesitzer auch erklären zu können, denn nicht jeder sieht das genauso.

Bei jedem Modul einen schriftlichen Test über das Modul davor. Und Annelie ist gemein. Sie will, dass man es versteht und nicht nur auswendig gelernt hat. Das ist natürlich nur für den Moment gemein, im Grunde ist es super und bringt einen weiter. Und dann noch diese ganzen Mitfahrtage. Während denen man nicht nur am Pferd arbeiten muss, sondern auch noch gequizzt wird. Und natürlich findet sie immer noch was, was noch besser sein kann. Ein Bögelchen wo keins sein soll… ein Knubbel, ein Eckelchen oder wie in meinem Fall: Fitzelchen. Sie ist wirklich sehr pingelig und das ist gut so.

100te von Fragen, die man hat und die man Tag und Nacht stellen kann und immer eine fundierte Antwort bekommt. Ich habe nicht den Eindruck, dass Annelie etwas weiß, was sie einem nicht auch irgendwann mal erklärt hat. Die Frage ist ja auch nicht unbedingt die des Verstehens, sondern die der praktischen Umsetzung. Und so sind es zig Hufe, die man bearbeitet, die meisten sind lebend, manche auch tot. Da übt man dann ganz am Anfang die ersten unbeholfenen Schnitzer mit dem Messer und später dann Spezialitäten wie den Umgang mit der Hauklinge oder der Proxxon. Jeder, der mich kennt, hat – gewollt oder ungewollt – gehört, wie toll diese 8 Monate waren. Und bei sehr vielen sage ich immer wieder: lern das doch auch.

Ich selber habe 10 Jahre gebraucht um diesen Schritt zu gehen und so werde ich mein Umfeld sicher noch ein Weilchen damit nerven und hoffentlich für ein paar weitere Hufpfleger nach BPHC sorgen.